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Klasse statt Masse – Große Gewächse aus Deutschland

2010 feierte der Verband Deutscher Prädikatswinzer (VDP) sein 100jähriges Bestehen. 1910 war er als Bundesverband der Naturweinversteigerer gegründet worden. Seit im Jahre 1971 im Zuge des „Wirtschaftswunders“ und dem damit verbundenen Glauben an den dauerhaften Erfolg industrieller Massenproduktion, auch im Bereich der Landwirtschaft, ein neues Weingesetz eingeführt wurde, ist seine Arbeit besonders wichtig.


jostgg

Ohne den VDP wäre es um den Ruf des deutschen Weines heute nämlich nicht so gut bestellt.

„Naturweine“ mussten Erzeugerabfüllungen sein, ihr Alkoholgehalt durfte nur aus dem fruchteigenen Zucker entstehen.
Mit Einführung des neuen Gesetzes wurde die Kategorie „Naturwein“ aufgehoben.

Oberhalb des schlichten Tafelweins gibt es seither den Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA), dessen Alkoholgehalt durch vorzuckern, d.h. mittels Zusatzes wässriger Zuckerlösung vor Beginn der Gärung, in bestimmtem Maße aufgebessert werden darf. Dieses Verfahren wurde in Frankreich zur Zeit Napoleons vom damaligen Finanzminister Chaptal eingeführt und nach ihm Chaptalisation genannt. Es ist in Frankreich übrigens bis in höchste Qualitätskategorien erlaubt und üblich.

Über dem QbA liegen die Qualitätsweine mit Prädikat (QmP). Sie dürfen nicht chaptalisiert werden und entsprechen in etwa dem früheren Naturwein. Unabhängig von der Lage und der verwendeten Rebsorte ist für die mögliche Einordnung in eine Prädikatsstufe (Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein) nur der natürliche Zuckergehalt des verwendeten Mostes entscheidend.

Mit Einführung des neuen Weingesetzes wurden sämtliche Lagen nunmehr als Qualitätsflächen definiert.
Aus rund 30 000 wurden 2658. Das heißt: im Schnitt rund zehn ehemals weniger bedeutende Lagen dürfen sich seither mit dem Namen der jeweils besten der Umgebung schmücken. Dazu kamen Großlagenbezeichnungen, die mit echten Lagennamen verwechselbar sind.

Prädikate, wie z.B. „Kabinett“ und „Spätlese“ zieren heute leider häufig Flaschen, die kaum teurer, manchem Kenner aber weit weniger wert sind, als eine Flasche guten Wassers.

Viele würdige Nachfolger der Naturweine finden sich heute unter den Weinen der VDP-Winzer.

Mit denen kann man wirklich Ehre einlegen.

Die höchste Kategorie bilden Weine aus vom VDP anerkannten “Ersten Lagen“ und heißen im Falle eines trockenen Ausbaus „Großes Gewächs“. Sie müssen aus handgelesenen Trauben naturnahen Anbaus traditioneller, vom VDP anerkannter Rebsorten mit einem der Spätlese entsprechenden Mindestmostgewicht bereitet werden. Vorzuckern ist nicht erlaubt, der Hektarertrag auf 50 hl begrenzt. Weiße „Große Gewächse“ dürfen frühestens am ersten September des auf die Lese folgenden Jahres, die roten erst ein Jahr später in den Handel gelangen.

Mein Tipp des Monats:

Ein „Großes Gewächs“ vom südpfälzischen Weingut Messmer in Burrweiler.
Es handelt sich um einen trockenen Weißburgunder aus der Lage „Im Goldenen Jost“ einer knapp vier Hektar kleinen Gewanne innerhalb der renommierten Lage „Burrweiler Schlossgarten“. Der „Jost“ befindet sich etwa 185 Metern über NN. Durch die Neigung in südlicher Richtung strahlt die Sonne hier den ganzen Tag ein. Der Boden besteht aus tiefgründigem, sandigen Lehm, durchzogen mit feinen Muschelkalkadern. Dies sorgt für optimalen Wasserhaushalt und bringt feinfruchtige, filigrane Weine hervor.

Weißburgunder trocken 2006 Im Goldenen Jost GG (Großes Gewächs), Weingut Herbert Messmer, Burrweiler, Südpfalz: Helles Goldgelb weist auf Reife und Gehalt hin, anregender Duft mit Zitruskomponente und einem Hauch Bittermandel setzt sich im Geschmack fort, der pikant und gehaltvoll, zugleich schmeichelhaft zart und schlank wirkt und sich in einem wunderbar facettenreichen reintönigen und langen Nachhall fortsetzt. Der Wein sollte nicht zu kalt bei 11 -13 Grad in großen Gläsern serviert werden. Wenn sie nur kleine Weißweingläser haben, eignet sich ein Rotweinglas besser. Er kann sehr gut für sich genossen werden, vielleicht mit einem Stück Gugelhupf dazu, er passt aber auch sehr gut zu feinen Fischgerichten, z. B. aber auch zu Fasanenbrust mit mildem Weinsauerkraut, oder zu in Kräutersud pochiertem Kalbfleisch.

Ladenpreis: 19,80 € pro 0,75 l-Flasche

Sehr zum Wohle

Johannes Rinke

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