Riesling versus „eins, zwei, drei…“ - der Terroirist schlechthin

Analog einer braunen Brause, die wir alle kennen, die an vielen Stellen unserer Welt hergestellt wird, immer nach demselben Rezept - immer gleich "köstlich" schmeckt - gibt es den Chardonnay.

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Ihren Ursprung hat die gleichnamige Rebe im Burgund, wo nach wie vor die meisten wirklich interessanten Weine aus Ihr entstehen. Viele erdverbundene Winzer bringen dort Weine eigener Art mit Bezug auf das Terroir hervor.
Chardonnay ist den Händen versierter Kellermeister aber auch sehr gefügig
Sie wächst heute fast überall, am Süd- oder Nordpol lohnt sich der Anbau nicht, die Energiekosten wären zu hoch; in Äquatornähe mit drei Ernten pro Jahr geht es aber bereits.
Gesunde und reife Trauben, schonende Pressung, kühle Gärung unter Verwendung von Reinzucht- und Biotechhefen und Aromaenzymen garantieren immer gleiche Qualität. Eichenholzextrakt sorgt für den verführerischen Vanilletouch und Röstaroma. Jahrgang und Herkunft des betreffenden Weines spielen da keine Rolle mehr.- Eins, zwei, drei…. schöne neue Welt. -
Unter- von diesem schmackhaften Einerlei- angeödeten Weinkennern ist deshalb bereits eine Antihaltung namens "ABC"( Anything but Chardonnay) entstanden.

Wie gut , dass es den Riesling gibt.
Man darf ihn getrost als Gegenpol des Chardonnay betrachten.

Bei ihm stimmt der ansonsten häufig überstrapazierte Begriff vom "Gout de Terroir" wirklich. Die Eigenart jeder Lage lässt sich erschmecken. Riesling braucht weder hohen Alkoholgehalt, noch Restsüße, um lager- und entwicklungsfähig zu sein, dafür sorgt allein die geradezu "magische Kombination von Säure und Extrakt" (Zitat aus dem Oxford - Weinlexikon, 2. Auflage).
Barrique -Ausbau passt zu ihm ihm ebenso wenig, wie Kate Moss die Krinoline stehen würde.

Ein gutes Beispiel für ihre Bodenständigkeit sind zwei Kabinett-Rieslinge meines Sortiments vom Weingut Meßmer in Burrweiler (Südpfalz):
Riesling Kabinett trocken "Granit" 2012 und Riesling Kabinett trocken "Schiefer" 2011
Der erste lässt mit seiner an Äpfel und Orangen erinnernden Frucht an einen gelungenen Elsässer  Grand Cru Riesling denken, der zweite hat deutliche Steinfruchtnoten (Pfirsich, Aprikose) und verbindet Pfälzer Kraft und Würze  mit der mineralischen Finesse eines Moselrieslings aufs Feinste. Der Burrweiler Schäwer ist die einzige reine Braunschieferlage der Pfalz. Der Granit kostet 8,90. der Schiefer 9,20 Euro pro 0,75l-Flasche.

 

Sehr zum Wohle

Johannes Rinke

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